Ingenieursmangel ade?(11.06.2012)

Immerhin blieben in den letzten zehn Jahren zigtausende Stellen unbesetzt, Schätzungen gehen bis zu 70.000 Ingenieuren, die fehlen. Nur zur Erinnerung: Ingenieure sind zentral für unsere Wirtschaft. Sie haben Deutschland zur Exportnation Nr. 1 für Maschinen, Anlagen, Autos, chemische Produkte u.a. gemacht. An ihrer Leistung hängen Zukunftschancen, Export und Produktion. Bei dieser Tragweite steht das Thema bildungspolitisch oben auf der Agenda.

Doch sagt die Zahl der neuen Studienanfänger noch nicht viel: Leider brechen über 40% der Studienanfänger ihr Studium von Maschinenbau und Elektrotechnik ab – die Bedingungen im Grundstudium gelten als knüppelhart. Von Rausprüfen und knochentrockenem Durchbeißen ist die Rede. Wer technikbegeistert anfängt, wird schnell ernüchtert und eines besseren belehrt.

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,639109,00.html

http://www.zeit.de/2011/05/C-MINT-Abbrecher

Da muss sich in der Ausbildung noch einiges ändern, damit der Ingenieursnachwuchs nicht durch Studienbedingungen verschreckt wird. Auch der Frauenanteil von 25% steigt zwar, kann aber längst nicht den Bedarf decken. Wer sich erfolgreich durchgearbeitet hat: Berufseinsteiger haben es denkbar leicht, einen Job zu finden – nur unter älteren Ingenieuren gibt es eine klar wahrnehmbare Arbeitslosigkeit von 6%. Die oft beklagten Vorbehalte gegenüber älteren Ingenieuren scheinen sich nicht völlig aufzulösen, aber Firmen werden sich diese zunehmend schlicht nicht mehr leisten können.

Nach wie vor fällt es Unternehmen schwer, passgenaue Bewerber zu finden – bei anhaltender Konjunktur dürfte es so bleiben. Viele wenden sich dann bei ihrer Ingenieurssuche an Personalberater wie Jacobi&Partner: „Wir können gerne weiterhelfen und schauen genau, für wen das Projekt spannend ist und wer wechseln will“, sagt Hans Jacobi, geschäftsführender Gesellschafter bei Jacobi&Partner in Essen: „Wir verstehen Ingenieurskunst in allen Facetten, ob hochspezialisierte Verfahrenstechniker für Heißgase oder Motorenkonstrukteure – wir können einschätzen, wer wohin passt.Wir sind die Profis für die passgenaue Suche. Nur: Neue Ingenieure zaubern können wir auch nicht.“

Wer also künftig über Ingenieursmangel lamentiert, muss sich über Ausbildungsbedingungen Gedanken machen. Praxisorientierter, näher und lebendiger, gut ausgestattet und überzeugend strukturiert – als Thema haben das viele der neugegliederten Studiengänge schon erkannt. Auch innerbetriebliche Qualifizierung gehört dazu, um eigene Leute weiter fit zu halten. Das alles kostet Geld, aber weit weniger als das Fehlen von 70.000 Ingenieuren.

(Zahlen aus VDI monitor-ing und: http://www.his.de/presse/archiv_hn/ganze_pm?pm_nr=818)